Babies, Kinder und Jugendliche

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Feldenkrais-Methode für Kinder

Kinder lernen durch Bewegung. Die Aufgabe des Gehirn ist es, Unordnung zu ordnen und Aktionen zu organisieren. Wenn ein Baby einmal die Fähigkeit entwickelt hat, Unterschiede zu spüren, beginnt es zu lernen. Babys und Kinder mit Trisomie 21 haben bestimmte Bewegungsschwierigkeiten; sie können aber wie alle Kinder Unterschiede spüren und Bewegungen leichter organisieren.
Als Feldenkraislehrerin muss ich die Geschichte und die Diagnose des einzelnen Kindes kennen, wichtger aber ist es zu wissen, ob das Kind neugierig und an der Umgebung interessiert ist und ob das Kind Absichten hat und diese umzusetzen versucht. Meine Aufgabe ist es, dem Kind zu helfen, Absicht in Aktion umzuwandeln. Ich nehme wahr, was ein Kind tun möchte und biete ihm die nötigen Informationen, damit es mehr Mittel und Möglichkeiten hat, das Gewünschte selbst zu erreichen. Ich stelle ein Umfeld her, in dem es das lernt, was ihm am wichtigsten ist. Während einer Lektion benütze ich meine Stimme, Augenkontakt, meine Haare, und alles, was sonst noch hilfreich ist. Ich nehme die kleinsten Veränderungen in der Art und Weise wahr, wie das Nervensystem des Kindes Lösungen findet und Bewegungen organisiert.

Wenn ich dem Kind die fehlenden Informationen mit meinen Händen gebe, muss ich immer seiner Absicht folgen und nicht einer abstrakten Idee davon, wie es etwas tun sollte oder was der nächste Entwicklungsschritt wäre. Würde ich der Versuchung nachgeben und die fehlende Aktion für das Kind übernehmen oder sie ihm einfach zeigen, würde es nichts lernen und hätte keine Möglichkeit, die neue Information spontan zu integrieren. Ich habe immer die Absicht des Kindes im Kopf, und ich begleite es, indem ich kleine Veränderungen verstärke und neue Möglichkeiten vorschlage. Auf diese Weise lernt das Kind, eine kleinen Veränderung nach der andern zu machen. Wenn diese neuen Möglichkeiten sich zu bewegen, spontan in vielerlei Situationen gebraucht werden, summieren sich diese kleinen Verbesserungen zu einem neuen Lebensgefühl.

Feldenkrais Methode® - Babies, Kinder und Jugendliche

Bei einigen Kindern ist die Fähigkeit ihres Gehirns, Bewegung auszurichten und anzupassen, gestört. Wenn aber ein/e Feldenkrais-Lehrer/in dem Kind neue und wichtige Informationen bietet, beginnt das Gehirn, neue Muster zu bilden, und oft können die Kinder unmittelbar danach tun, was sie vorher nicht geschafft hatten. Wenn das Gehirn nicht die richtige Information bekommt, die zur Bildung effektiver Bewegungen benötigt wird, verarbeitet es die vorhandenen Informationen und bildet damit Gewohnheiten, die einschränken. Nicht das Kind, sein Körper oder sein Gehirn ist fehlerhaft; es ist ganz einfach eine Sache der fehlenden Information. Egal wie ein Kind geboren wurde oder was für Verletzungen es erlitten hat; das menschliche Gehirn wächst mit neuen und wichtigen Informationen. Das führt dazu, dass wir uns besser fühlen und versorgt uns mit immer mehr Energie und einem starken Gefühl der Neugierde. Da wissenschaftliche Studien der letzten zehn Jahre besagen, dass zwischen 96 und 98% der Gehirnaktivität während der wachen Zeit für die Organisation von Bewegung verwendet wird, ist Bewegung somit vermutlich der direkteste Zugang zu unserer Gehirntätigkeit. Die Plastizität des menschlichen Gehirns befähigt es, sich durch seine Reaktion auf seine Umgebung konstant physisch und chemisch zu verändern. Wenn ein Kind neue Lösungen findet für die ihm von der Umwelt gestellten Aufgaben, kann sich das Nervensystem reorganisieren. Es sind die wiederholten Zyklen von Wahrnehmung und Aktion, die neues Lernen mit sich bringen. Wenn die Funktion des Lernens an sich gestört ist, kann der Verlust enorm sein, und es ist schwierig, dies in späteren Jahren nachzuholen.

Entwicklungsbegleitung für Säuglinge und Kinder

Die Feldenkrais Methode unterstützt Säuglinge mit Entwicklungsverzögerungen und bietet dem Säugling Bewegungsanregungen an. Die Feldenkrais Lehrerin unterstützt durch Beratung und Entwicklungsbegleitung das Baby und die Eltern.

Komplementär Entwicklungsbegleitung für Säuglinge und Kinder
 
Entwickelt sich Ihr Baby zeitgerecht? harmonisch? ausgeglichen? Oder ist es öfter unruhig und erregt? überstreckt es sich? bewegt es sich asymmetrisch? Das sind Fragen, die junge Eltern vielfach beschäftigen und verunsichern.

In den ersten 18 Lebensmonaten lernt ein Baby das Drehen, Krabbeln, Sitzen, Stehen, Laufen - es lernt das Lernen an sich sowie die wichtigsen Bewegungen für das ganze weitere Leben.

Komplementär Entwicklungsbegleitung für Säuglinge und Kinder

Es entscheidet sich bereits, wie das Kind später sitzen wird, wie seine Haltung sein wird, ob seine Bewegungen harmonisch und gut koordiniert sein werden. Grund genug, der Bewegungsentwicklung von Babys in diesem Alter mehr Aufmerksamkeit zu schenken - und der Frage nachzugehen, wie Eltern diese Entwicklung sachkundig optimal gestalten und fördern können.
Elemente der Feldenkrais-Methode und neuesetes Wissen über frühkindliches Lernen bilden die Basis für die Anregungen und die Beratung. Mütter und Väter erhalten zahlreiche Anregungen und Informationen über das (Bewegungs-) Lernen von Babys. Sie erfahren Möglichkeiten, diese Entwicklung besser verstehen und beobachten zu lernen sowie ihre Babys ganz praktisch „handgreiflich" bei diesem Lernen zu unterstützen. Dadurch werden eventuelle Entwicklungsverzögerungen viel eher erkannt und ausgeglichen.

Ein Beispiel aus meiner Praxis:

Ein 15 Monate altes Baby mit Trisomie 21 kam in meine Stunden. Sie konnte ihren Bewegungsablauf nicht koordinieren, um von einer Stellung in eine andere zu kommen. Wenn sie lag, konnte sie sich auf dem Bauch drehen, sich aber weder vorwärts noch rückwärts bewegen, und es war ihr unmöglich, sich alleine aufzusetzen. Wenn jemand Spielsachen vor sie hin legte, zeigte sie Interesse, sie zu holen, aber sobald sie versuchte, sich zu bewegen, verlor sie das Gleichgewicht und reagierte in beiden Beine und im unteren Rücken spastisch. Sie konnte sitzen, wenn sie hingesetzt wurde, aber sie verlor das Gleichgewicht, sobald sie sich in irgend eine Richtung bewegen wollte. Wenn man sie leicht anstiess, reagierte sie mit zu viel Kraft und verkrampfte sich im Rumf, in den Beinen und Füssen.

Nach 3 Lektionen konnte sie sitzen und im Sitzen ihr Gewicht auf eine Hand verlagern, um mit der anderen Hand nach einem Spielzeug zu greifen. Sie reagierte sehr schnell auf die Feldenkrais-Methode und die Art und Weise, wie diese ihr die benötigten kinästetischen Informationen vermittelt. Weiter lernte sie im Sitzen die Beine zu beugen, wenn sie das Gewicht auf die Hände bringt und nach 7 Lektionen konnte sie den Bewegungsablauf von der Bauchlage zum Sitzen und zurück selber organisieren.

Bei jeder neuen Bewegungsherausforderung (aus der Rückenlage zum Sitzen, vorwärts und rückwärts rutschen, vom Sitzen zum Stehen, vom Stehen zu Laufen) ging sie anfänglich zurück zu dieser spastischen Art zu reagieren. Sie fixierte die Muskeln in beiden Beinen und im Rumpf in einer undifferenzierten Art und Weise. Sie musste unter all diesen Bedingungen lernen, was sie anders machen konnte, damit die Bewegung leichter wurde.

Jetzt ist sie 2 Jahre und 2 Monaten alt, kann alleine aufstehen und gehen. Die Feldenkrais-Methode für Kinder hatte eine sehr positive Wirkung auf sie und ihre Entwicklung.

Die Feldenkrais-Methode, benannt nach dem Wissenschaftler Dr. Moshe Feldenkrais (1904-1984), ist ein sensomotorische Lernmethode. Diese Methode gibt nicht vor, medizinische Therapien zu ersetzen. Wir beheben keine Probleme; wir trainieren die Menschen zu wissen, was sie spüren, und zu wissen, was sie mit diesem Wissen tun. Auf diese Weise lernen sie, das Körpergefühl zu benützen, um Wahrnehmung und Aktion zu organsieren.

Weitere Informationen zu der Feldenkraisarbeit mit Kindern nach Anat Baniel finden Sie auf:
www.anatbanielmethod.com
www.feldenkrais-nancy-aberle.ch